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Abends kommt wieder Gurk, setzt sich auf den Nacken und lässt sich’s gut gehen. Ich kenne ihn schon lange, ist ein zwielichtiger Gesell. Manchmal nimmt er mich an der Hand und zeigt mir seltsame Dinge, die ich nicht so recht einordnen kann. Oft war er auf Reisen, liess mich an ihn denken, aber dieses sublime an ihn Denken hat mich eine Zeit lang eigentlich befriedet, wenngleich sein Grinsen hinter der Palisade gewiss war. Denn früher kam er ständig, auch wenn ich dazu gerade nicht so aufgelegt war. Mal Mahner, mal Arschtreter, wo ist der Unterschied, in die Lage, darüber nachzudenken, kam ich selten. Gurk hielt mich auf Trab und ohne ihn, hmm, ich weiss nicht, Spekulieren ist nicht so mein Ding.

Seit einer Weile wohne ich nicht mehr zentral. Aus der eigentlichen Mitte meines Einzugsgebietes bin ich schon lange raus, von dort, wo die interessanten Schachturniere stattfinden. Mein späteres Refugium in einem subelysischen Biotop wurde nach ein paar Jahren obsolet. Was bleibt ist die Erinnerung an ein paar Situationen mit Menschen, die in gewisser Weise für mich Bedeutung erlangten, um dann in die weite Welt zu ziehen, wo sie sich bewähren sollten oder wollten.

Was soll's, Tote stehen nicht mehr auf. Hier ist es jetzt auch ganz nett.

Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich Bewegung: Rennende Leute, kollidierende Fahrzeuge, in der Nacht wild gestikulierende junge Männer und blaues Blinken.

Ich lebe funktional, mit ein paar Abstrichen: Hier gibt es acht Friseure aber keinen Milchladen, sieben Autohäuser, aus denen nach und nach Brotverkaufsstellen werden aber keinen Geldautomaten: den haben nur die Pfeffersäcke in ihrem Rayon. Ich mu§ eine Viertelstunde lang Fahrrad fahren, um Bares in den Händen halten zu können!

Dabei wohnen ehrenwerte Bürger in der Nachbarschaft. Pilot und Flugbegleiterin, Seniorin, Ingenieur, Malermeister... Ein Pensionär lebt als Baumpate.

In der Versorgungseinheit geben sich Pflegefälle aus den umliegenden Heimen und junge Existenzgründer ein tägliches Stelldichein. Die Boys fahren Autos, die so gar nicht in die Gegend passen und geniessen geräuschvoll den kurzen Streckenabschnitt mit Vorfahrt.

Neid ist beim darbenden Publikum unverkennbar... Wird diese Konstellation Konsequenzen haben? Geredet wird schon. Eigentlich sind mir die Kerle unsympathisch, die Klumpenwerfer sind's mir noch mehr.

Nun, Sie fragen, was treibt mich in diese harsche Gegend? Es ist der Ausblick, den ich habe. Niemand käme HIER auf die Idee, mich zur jährlichen Gruppentaufe zu nötigen. Ich schaue bis zum natürlichen Horizont.

Gurk kommt und geht, setzt die Säge an, dass es schmerzt, auch wenn er wieder weg ist. Ich könnte ihn meiden, wenn ich regelmässig in den Gemeindepark gehen würde, das mag er nicht - ich mag das aber auch nicht, das ist der Haken. Fänd' ich mein Glück im Kompost, alles wäre gut. So warte ich auf Gurk, freue mich, wenn er erscheint. Ja, ich will ihn sogar. Manchmal tanze ich mit Gurk. Das ist schön.